Goldener Oktober, Reformationstag und Halloween

Man merkt es langsam, die Tage werden,  na ja, nicht kürzer (sie haben immer noch 24 Stunden) aber dunkler, die Dämmerung bricht früher herein und wer noch daran zweifelt, dass der Herbst Einzug hält, der muss sich nur im REWE umschauen, dort zeugen die mit Lebkuchen, Spekulatius und Printen gefüllten Regale davon, dass eigentlich ja quasi Weihnachten vor der Tür steht.

Wir wollen aber zunächst den Herbst genießen und wenn die Wettervorhersage stimmt, dann können wir uns am Wochenende sogar auf einen goldenen Oktober freuen. Vielleicht wird ein letztes Mal der Grill angeworfen, mit Freunden auf der Terrasse gefeiert, der Garten für den Winter vorbereitet oder einfach bei einem ausgedehnten Spaziergang die Färbung des Waldes bestaunt.

In diesem Jahr haben wir eine oktoberliche Besonderheit. Am 31.10. ist – zum ersten Mal bundesweit – der Reformationstag ein Feiertag. Das ist schön für viele Arbeitnehmer, denn wenn man auch noch den Montag als Brückentag nutzen kann, hat man gleich vier freie Tage am Stück. Da freut man sich gleich doppelt (oder vierfach), dass der gute Martin Luther vor genau 500 Jahren mit seinen Thesen nicht hinterm Berg hielt, sondern diese forsch an säkulare Portale pinnte. Das zaubert selbst manchem katholischen Arbeitnehmer in den kommenden Tagen ein verhaltenes Lächeln ins Gesicht.

Doch ein weiteres Fest steht am 31. des Monats an: Halloween, „All Hallows‘ Eve“, die Nacht vor Allerheiligen, häufig auch mit dem keltischen Samhain in Verbindung gebracht. Die Begeisterung für diesen eigentlich irischen und walisischen, in der Neuzeit von dem amerikanischen Kontinent zu uns importierten Brauch, hat in den letzten Jahren wieder etwas nachgelassen, was ich persönlich nicht sehr bedauere. Hatten viele Kinder dieses Fest zunächst noch als Möglichkeit für sich entdeckt, schaurige und manchmal recht kunstvolle Verkleidungen mit einem kleinen Spaziergang nebst Zuckerschock zu verbinden, so schien der Aufwand für die Kostümierung in jüngster Zeit merklich nachzulassen und stattdessen nur noch die Jagd auf unentgeltliche Süßigkeiten im Vordergrund zu stehen.

In der letzten Zeit wurde es jedenfalls merklich ruhiger um die keltische Jahreswende. Vielleicht ist dies ja auch der inzwischen grassierenden Laktoseintoleranz nebst Fruktoseunverträglichkeit geschuldet – egal, ich vermisse es nicht. Überhaupt habe ich dieses Fest zum ersten Mal bei der Lektüre von „E.T. der Außerirdische“ richtig wahrgenommen und hielt es damals für eine weitere Schrulligkeit der Nation jenseits des Atlantiks. Es ist mir bewusst, dass ich mich mit diesem Satz in doppelter Hinsicht bloßstelle, zum einen bin ich nicht mehr „taufrisch“ (E.T.  wollte bereits 1982 „nach Hause telefonieren“), zum anderen hege ich keine nachhaltig intensive Begeisterung für pubertäre Rituale aus der Gegend zwischen Minnesota und Oklahoma. Na ja, niemand ist perfekt! Ob wir in diesem Jahr vielleicht fünfjährige Süßigkeitenjäger in Luther-Kostümen sehen, die damit drohen, 95 Thesen an unsere Tür zu nageln, falls wir sie nicht vorher mit Gummibären und Schokolade besänftigen, bleibt abzuwarten. Es wäre aber mal eine Abwechslung. Übrigens: derzeit sieht es so aus, als wäre dieser Feiertag für große Teile Deutschlands eine einmalige Angelegenheit. Genießen wir ihn also – mit oder ohne Lebkuchen und Spekulatius.

Herzlichst

Euer Lo Siegmund

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